Anders als die anderen: Der letzte Tag auf der 61. Berlinale

Es ist schon hell, wenn der Wecker klingelt. Es ist keine pure Qual, aufzustehen, schließlich reichen gute sechs Stunden, um sich auszuschlafen. Die Tickets liegen schon in der Tasche und für morgen macht es keinen Sinn mehr welche zu holen, da am Publikumstag, dem 20. Februar, die Kontingente für Akkreditierte so klein sind, dass es wohl nicht mehr viel zu holen gäbe. Außerdem muss irgendwann einmal Schluss sein, das „normale Leben“ muss wieder einkehren, auch wenn es einem nicht recht sein kann.

Der letzte Tag ist anders als die anderen: Der Rückblick auf eine Woche voller Eindrücke, die die Welt verständlicher und zugleich weiter von uns entfernt haben, welche versucht haben, die Gegenwartswidersprüche zu veranschaulichen und sie zugleich als ohnehin unfassbar inszeniert haben, fällt leicht und schwer. Leicht deswegen, weil 30 Filme reichen, um satt zu werden, um seinen Heißhunger auf Bilder zu stillen – vorerst. Schwer, weil es ein bestimmtes Lebensgefühl ausmacht, morgens um sechs aufzustehen, in der Schlange vor dem Ticketcounter oder im Kinosaal interessante oder belanglose Gespräche zu führen. Oder einfach mal für sich zu sein, ohne das Gesehene und Gehörte tot quatschen zu wollen.

Heute sehe ich auf der 61. Berlinale meine letzten Filme: „The Forgiveness Of Blood“ (Joshua Marston, USA/Albanien/Dänemark/Italien 2010) um 9.30 Uhr im Friedrichstadtpalast, danach am gleichen Ort „Unknowm“ („Unknowm Identity“, Jaume Collet-Serra, Deutschland/GB/Frankreich 2011), um 14.30 Uhr im CineStar „Leicht muss man sein, Fliegen muss man können“ (Annette Frick, Deutschland 2010) und zum Abschluss das Gesellschaftsdrama Kazoku X (Yoshida Koki, Japan 2010).

Danach werde ich nach Hause fahren. Und das normale Leben, das tausende Menschen versucht haben, zu verstehen, nimmt seinen geregelten Lauf. In der Hoffnung, dass das Publikum aufmerksam war.

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